Mit Fliegergeschichten durch Winter und Lockdown – Ein Flug in den Bergen

Wir schreiben einen ungewöhnlichen Tag im Oktober des Jahres 2020.

Das Wetter versprach einen ruhigen sonnigen Schulungstag, bis der Föhn aus den Höhen nach unten durchbricht. Das ist für Unterwössen, die Heimat der Deutschen Alpensegelflugschule, eine ungünstige Situation. Das Flugfeld liegt in einem Tal, nach Norden zum Chiemsee offen und weiter südlich geht es durch ein mehr oder weniger enges Tal über Kössen zum Walchsee und Wilden Kaiser. Strömt nun der nach unten durchbrechende Föhn aus Süden ins Tal ein, herrscht starker Rückenwind. Dieser macht ein Starten unmöglich, da die Elektrowinde fest installiert ist und somit nur in eine Richtung gestartet wird. Das sonst vorherrschende Talwindsystem lässt dies bis auf ein paar Ausnahmen das ganze Jahr zu.

Die Piste in Unterwössen liegt beinahe direkt an einem Nordhang. Somit befindet sich die Startplatte, gerade im Herbst, lange im Schatten. Das Bild ist ca. um 10 Uhr aufgenommen worden.

So gegen 14 Uhr wurde eine ASK-13 frei. So alt dieses Flugzeug ist, so schön ist es auch zu fliegen. Also nicht lange überlegt und die D-1670 an den Start gestellt.

Eine Elektrowinde ist schon eine feine Sache. Bei solch einer starken Winde steuert der Pilot größtenteils die Geschwindigkeit im Schlepp, natürlich kann der Windenfahrer Leistung hinein oder heraus nehmen, und das in jeder Phase des Startes. Dabei liegt eine große Verantwortung beim Windenfahrer.

Während der Startvorbereitungen noch einmal den Wind gecheckt und bemerkt, dass der Windsack auf den Hang zeigt. Ganz entgegen der Vorhersage. Nun ein Versuch ist es wert.

Nach dem Windenstart wurde direkt durchgegeben, dass die D-1670 an den Hang geht. Also rechts rum und den linken Flügel an den Haushang. Siehe da, man spürt das Steigen, das Vario bestätigt. Mit gemächlichen 1 – 2 Meter pro Sekunde trägt es uns immer höher und höher. Die ganze Zeit überlegt man “Woher kommt der Wind auf den Hang, das war so gar nicht berichtet”, jedoch die Freude überwiegt. Der Haushang, übrigens die Gscheuerwand, ist rund 1100 Meter hoch. In der Zwischenzeit haben wir uns auf 1300 Meter “hochgeachtert” und überlegten wo wir als nächstes hinfliegen. Auf der anderen Seite des Tales finden sich die Gipfel der Zellerwand, des Ramseneck und des Weitlahnerkopf. Eben zwischen diesen lässt sich über einer Weide der Hausbart finden und genau da ging es hin.

Dieser Bart, der immer an derselben Stelle steht, ist ein Phänomen für sich. Ganz und gar nicht wie einer seiner Artverwandten aus dem Flachland, aber auch nicht zu vergleichen mit einem gewöhnlichen Hangaufwind. Es ist irgendwas dazwischen. Ein sehr turbulenter Mix. In den Bart eingestiegen geht die wilde Fahrt auch schon los. Der Bart ist wahrlich nicht leicht zu bändigen, man fliegt ständig raus und muss gefühlt in jedem halben Kreis nachzentrieren. Während wir uns an die Basis geschraubt haben, brach der Föhn wohl durch. Man sah fast an jedem Südhang der voran genannten Berge Segelflieger entlanggleiten. Wir flogen weiter die Gipfelkette nach Südwesten entlang. Vorbei am Ahornkopf und am Spitzberg, deren Gipfel einen Sattel bilden, ging es mit integriert 5 Meter pro Sekunde nach oben. Mit den westlich davon gelegenen Bergen des Latschkogels und des Rossalpenkopfes bildet diese Bergkette eine Mauer, die genau senkrecht zum südlichen Taleingang steht. Der Föhn trifft also schön senkrecht auf diese Kette, kein Wunder also das diese Kante so gut ging.

Leider ist damit schneller Schluss als man es genießen kann. Der Föhn bewirkt mit den Bergen direkt südlich des Flugplatzes ein starkes Lee, welches den Anflug sehr gefährlich machen kann.

Als Resümee kann man ziehen, dass selbst die unscheinbarsten Tage einige der tollsten und eindrucksvollsten Flüge bescheren können.