Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lag die Lufthoheit in Deutschland zunächst vollständig bei den Alliierten. Für Deutsche galt ein umfassendes Flugverbot. Doch die Begeisterung für den Flugsport war damit keineswegs erloschen. Bereits in dieser Zeit trafen sich ehemalige Flieger in Krumbach regelmäßig zur „Aero-Club Krumbach“ Stammtischrunde. Gemeinsam verband sie die Hoffnung, eines Tages wieder fliegen zu dürfen.
1950 war es schließlich so weit: Die Alliierten erlaubten wieder die Gründung von Luftsportvereinen. Ab 1951 war auch der Flugbetrieb im Segelflug, Freiballon- und Modellflugsport wieder möglich.
Die Gründung des MLV
Aus der Stammtischrunde heraus wurde 1951 schließlich ein Verein gegründet. Die erste Mitgliederversammlung fand noch im selben Jahr statt. Auch der Luftsportverband Bayern war zu diesem Zeitpunkt erst wenige Wochen alt. Der zunächst als Aero-Club Krumbach gegründete Verein meldete 27 Mitglieder an.

Neben der Krumbacher Gruppe bildeten sich auch Segelfliegergruppen in Kirchheim und Thannhausen. Schon bald erkannten die drei Gruppen, dass ein Zusammenschluss den gemeinsamen Aufbau des Flugsports erleichtern und den Verein schneller voranbringen würde.
Zunächst entstand der Aero-Club Krumbach-Kirchheim. 1952 schloss sich auch die Thannhausener Gruppe an. Der Verein erhielt daraufhin seinen bis heute gültigen Namen: Mittelschwäbischer Luftsportverein (MLV). Bereits damals zählte der Verein 79 Mitglieder.
Die Voraussetzungen für den gemeinsamen Sport waren allerdings alles andere als einfach. Automobile waren noch eine Seltenheit, und die Entfernung von Thannhausen nach Krumbach oder Kirchheim stellte für viele Mitglieder eine erhebliche Herausforderung dar. Die Straße nach Kirchheim war weder asphaltiert noch geteert und mit ihren zahlreichen Schlaglöchern selbst mit dem Auto eine Strapaze.
Auch die finanziellen Möglichkeiten waren begrenzt. Die Einkommen der Bevölkerung waren vergleichsweise gering. Trotzdem ließen sich die Gründungsmitglieder nicht davon abhalten, ihren Traum vom Fliegen zu verwirklichen. Gemeinsam bauten sie eine Winde und ein Segelflugzeug auf.
Was mit einem für damalige Verhältnisse einfachen Flugzeug, einer SG 38 mit Boot, begann, entwickelte sich in den folgenden 75 Jahren zu einem modernen und vielseitigen Luftsportverein.
Drei Abteilungen – eine gemeinsame Leidenschaft
Die Geschichte des MLV ist bis heute von verschiedenen Formen des Luftsports geprägt. Begonnen hat alles mit dem Segelflug. Bereits 1953 kam die Modellflugabteilung hinzu, und seit 1963 ist auch der Motorflug im Verein vertreten.
Heute verfügt der MLV über einen modernen Flugzeugpark mit sechs Segelflugzeugen, einem Ultraleichtflugzeug und einem Motorflugzeug. Darüber hinaus sind weitere private Segel- und Motorflugzeuge, mehrere Ultraleichtflugzeuge sowie ein Hubschrauber am Flugplatz stationiert.
Von Beginn an war es dem Verein wichtig, seinen fliegerischen Nachwuchs selbst auszubilden. Bis heute werden beim MLV Piloten im Segelflug, Ultraleichtflug und Motorflug ausgebildet. Mehrere Segelflug-, UL- und Motorfluglehrer begleiten die Flugschüler auf ihrem Weg vom ersten Start bis zum eigenständigen Fliegen.
75 Jahre MLV – ein Jubiläum zum Feiern
Im Jahr 2026 feierte der Mittelschwäbische Luftsportverein sein 75-jähriges Bestehen. Bei bestem Sommerwetter kamen zahlreiche Mitglieder, Freunde des Vereins und interessierte Besucher zusammen, um dieses besondere Jubiläum gemeinsam zu feiern.
Viele Mitglieder packten bei den Vorbereitungen und während des Festes tatkräftig mit an und sorgten dafür, dass es an Speisen und Getränken nicht mangelte. Historische Luftfahrt-Raritäten wie eine Me 108 Taifun und ein Hubschrauber des Typs Bo 105 konnten bestaunt werden. Für interessierte Besucher gab es zudem die Möglichkeit, bei einem Schnupperflug selbst die Faszination des Fliegens zu erleben.
Auch ein Vertreter des Bayerischen Landes-Sportverbands (BLSV) war eigens nach Thannhausen gekommen, um den Vorständen Philipp König, Christina Miller und Timo Bruderek die Jubiläumsurkunde in Silber anlässlich des 75-jährigen Vereinsbestehens zu überreichen.
Eine besondere Ehrung erhielt außerdem Gerhard Leberl, der zum Ehrenmitglied des MLV ernannt wurde. Der Metzgermeister aus Thannhausen engagierte sich über viele Jahre als Vorstand und unterstützt den Verein bereits seit Jahrzehnten. Auch bei der 75-Jahr-Feier war sein Engagement spürbar: Gemeinsam mit seinem Team von der Metzgerei Leberl kümmerte er sich um die Verpflegung der Gäste.

75 Jahre MLV stehen damit für weit mehr als eine lange Vereinsgeschichte. Sie stehen für Begeisterung für das Fliegen, ehrenamtliches Engagement, Gemeinschaft und den Mut, auch unter schwierigen Bedingungen etwas Neues aufzubauen. Aus einer kleinen Stammtischrunde ehemaliger Flieger ist ein moderner Luftsportverein geworden, der seine Tradition bewahrt und gleichzeitig den Blick fest in die Zukunft richtet.
